1. Aufgabe

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Eine Aufgabe ist eine Differenz, bei der, anders als bei Problemen, alle benötigten Operationen zur Überwindung bekannt sind und alle Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Akteure wissen eindeutig, was zu tun ist.

Leben heißt stets Leben in Differenz. Differenz ist die Voraussetzung für Leben. Es geht per­manent um den Aufbau und Aus­gleich von Unterschieden, sei es im Stoff­wechsel der Organismen, bei denen Zellen etwas benötigen, was ihnen derzeitig nicht zur Verfügung steht bis hin zu den mensch­lichen Grund­bedürfnissen, wie Atmung, Ernährung oder Kommunikation, sowie Behandeln von Problemen beziehungsweise von Aufgaben.

Obwohl Aufgaben sowie Probleme eine Differenz zwischen Realität und Zielzustand aufweisen, unterscheiden sie sich durch die Bekanntheit der Operationen zur Vermittlung zwischen diesen beiden Zuständen. Das heißt, es können durchaus überschaubare räumliche, zeitliche beziehungs­weise sach­liche Differenzen auftreten, allerdings ist dem Akteur vollends bewusst, wie diese zu nivellieren sind. »Aufgaben sind geistige Anforderungen, für deren Bewältigung Methoden bekannt sind. […] Aufgaben erfordern nur reproduktives Denken, beim Problemlösen aber muss dagegen etwas Neues geschaffen werden.«1 Aufgaben zeichnen sich durch ihre zeitliche wie räumliche Greifbarkeit aus. Sie sind dem Akteur geheuer.

Ein Beispiel ist das mütterliche Stillen eines Kleinkindes. Dabei muss in regelmäßigen Abständen eine überschaubare räumliche Differenz überwunden werden, in dem das Kind an die Brust angelegt wird. Diese Aufgabe kann jedoch schnell zum Problem werden, wenn aufgrund einer räumlichen Trennung von Mutter und Kind Letzteres nicht mehr versorgt werden kann.

Aufgaben sind bereits gelöste Probleme. Durch das Lösen von Problemen kann sich der Akteur ein Erfahrungsrepertoire aneignen, das für ihn bereits gelöste Probleme in Aufgaben transformiert. Er kann die Lösung reproduzieren oder gar Analogien zur Behandlung ähnlich beschaffener Problem­räumen ableiten. »Offensichtlich entscheidet das Vorwissen und das Vermögen eines Individuums, effektive Operationen zur Bewältigung einer Auf­gabenstellung anzuwenden, darüber, ob es sich um eine Aufgabe oder um ein Problem handelt.«2

 

Räumlich — Dem Problem kann eine räumliche Differenz zugrunde liegen. Der Raum ist aber grundsätzlich übersichtlich.
Zeitlich — Dem Problem kann eine zeitliche Differenz zugrunde liegen.
Sozial — Sobald eine soziale Differenz in Form eines Dissens vorliegt, liegt ein Problemraum der 5. Stufe vor.
Sachlich — Eine Aufgabe beschreibt einen Unterschied von Realität und Ziel, bei der alle Elemente und Ressourcen zur Nivellierung dieser Differenz zur Verfügung stehen. Es lässt sich sehr gut planen. Die Ergebnisse lassen sich mittels Kongruenz­bestimmung von Realität und Ziel klar validieren.
Methodisch — Der Akteur einer Aufgabe, weiß was er zu tun hat. In erster Linie geht es darum, Wissen in Handlungen umzusetzen.

Nächstes Kapitel:
2. Kombination der Mittel
01 Aufgabe
  • 1. Dietrich Dörner: »Problemlösen als Informationsverarbeitung«, Stuttgart: Kohlhammer 1975, S. 10
  • 2. Norbert M. Seel: »Psychologie des Lernens« München: Ernst Reinardt (UTB) 2003, 2. Aufl., S. 326