2. Kombination der Mittel

Zur Überwindung der Differenz von Realität und eines bekannten Ziels sind die Mittel bekannt. Diese müssen seitens der Akteure lediglich in die richtige Kombination gebracht werden.

Ab dieser Stufe betreten die Akteure das Reich der Probleme, da ab nun mindestens ein Element zur Überwindung der Differenz von Realität und Ziel unbekannt ist und diese folglich von den Akteuren erschlossen werden muss. Vorgegebenen Operationen müssen korrekt miteinander kombiniert, beziehungsweise in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Man spricht in diesem Fall von einem geschlossenen Operations­inventar. Das Ziel ist auf dieser 2. Stufe zwar klar formuliert, allerdings muss sich der Akteur den Weg dorthin, anders als bei Aufgaben (1. Stufe) noch erschließen. Das Spielfeld ist damit begrenzt und es gibt klare Regeln für den Ablauf. Beispiele hierfür bieten zahlreiche Spiele wie »Schach«, »Turm von Hanoi« oder »Missionare und Kanni­balen«. Auch Anagramme, Puzzle oder viele Logikrätsel sind zu dieser Stufe zu zählen. Dietrich Dörner nennt die auf dieser Stufe entstehende Differenz »Interpolationsbarriere«.1

Die soziale Dimension spielt keine Rolle. Es herrscht allgemeine Einigkeit unter den Akteuren. Es liegen hinsichtlich der Methode keinerlei Differenzen vor. Durch Kommu­ni­kation gelingt es den Akteuren ihre differenten Repräsentationen des Problem­raumes aneinander anzugleichen, so dass jeder Teil­nehmer den Ein­druck hat, verstanden zu haben worum es geht und wohin es gehen soll. Alle ziehen am selben Strang. Darüber hinaus können die Repräsentationen auf dieser Stufe mit der undurch­sichtigen Gemenge­lage der Realität offenkundig in Deckung gebracht werden. Die Chance die Effizienz des Vorhabens durch soziale Emergenz­effekte zu steigern, ist auf dieser Stufe sehr hoch, sofern sich alle auf gemeinsame Ziele und Mittel verständigen können. Gelingt dies nicht, liegt Dissens vor und dementsprechend ein Problem der Stufe 5.

Räumlich — Dem Problem kann eine zu überwindende räumliche Differenz zugrunde liegen, die jedoch in Ihrer Beschaffenheit von Übersichtlichkeit gekennzeichnet ist.
Zeitlich — Es kann Zeitdruck auftreten, dem sich die Akteure jedoch entziehen können.
Sozial — Nicht signifikant
Sachlich — Alle nötigten Ressourcen sind für die Akteure zugänglich. Der Problemraum der 2. Stufe ist überschaubar. Der Prozess lässt sich zeitlich und methodisch vorzüglich planen, so dass keine Überraschungen zu erwarten sind. Das Problem lässt sich einfach in Teilprobleme aufspalten, die einzeln behandelt werden können. Das Problem ist hervorragend rationalisierbar und mit Hilfe von Computern vollständig bzw. teilweise simulierbar. Algorithmen können demnach unterstützend eingesetzt werden. Es ist eine eindeutige Validierung möglich. Diese geschieht durch die Feststellung der Kongruenz von Ist- und Sollzustand, mittels teleologischer Verfahren in den Kategorien richtig oder falsch. Die Auswirkungen beschränken sich ausschließlich auf den Problemraum und sind in diesem handhabbar.
Methodisch — Auf der methodischen Ebene kommen alle klassischen Verfahren und Hilfsmittel zur Problembehandlung zum Zug. Dazu gehören Analogiebildungen, verschiedene Heuristiken wie »Trial und Error«, Rückwärtsmethoden, einfache Ableitungslogiken, Prozesstrukturierungs­verfahren wie beispielsweise »SPALTEN«2 oder »TRIZ«3.

Nächstes Kapitel:
3. Unbekanntheit der Mittel
  • 1. Dies geht auf das lateinische »interpolare« zurück, was soviel bedeutet wie »auffrischen« oder »verändern«. In der Mathematik beschreibt das Verfahren die Bestimmung fehlender Elemente innerhalb eines bekannten Verlaufs oder bekannter Werte.
    Vergl.: Dietrich Dörner: »Problemlösen als Informationsverarbeitung«, Stuttgart: Kohlhammer 1975, S. 10
  • 2. A. Albers / N. Burkhardt / M. Meboldt: »Spalten Problem Solving Methodology in the Product Development« in: A. Samuel (Hg.): »Engineering Design and the Global Economy: 15th International Conference on Engineering Design - ICED« Melbourne 2005, 15.—18. August 2005, url: http://digbib.ubka.uni-karlsruhe.de/volltexte/1000007075 (Stand: 01.01.2012)
  • 3. url: http://gina.ikmfbs.ing.tu-bs.de/triz/ (Stand: 01.01.2012)